Kredit und Inflation

Je nachdem wie hoch die jährliche Inflationsrate ausfällt, verliert ein Geldbetrag mehr oder weniger an realem Wert. Bei den jährlichen Lohnverhandlungsrunden zwischen den Sozialpartnern wird die von der Statistik Austria errechnete Inflationsrate als Basis für nominale Lohnerhöhungen herangezogen. Ziel der Arbeitnehmer/innen ist es, zumindest die Kaufkraft der Gehälter durch die Anpassung an die Wertminderung zu erhalten. Die Aufnahme eines Darlehens in Zeiten hoher Inflation ist unter gewissen Umständen für den Schuldner vorteilhaft, da der zu tilgende Darlehensbetrag rapide an Wert verliert. Da aber die Europäische Zentralbank (EZB) in erster Linie der Gewährleistung der Preisstabilität verpflichtet ist, wird diese durch Erhöhung der Leitzinsen versuchen, die im Umlauf befindliche Geldmenge zu reduzieren, um die Geldentwertung zu drosseln. Die somit erhöhten Refinanzierungskosten der Banken werden sodann bei flexibler Kreditverzinsung direkt an die Kunden weitergegeben. Dies würde bedeuten, dass die für den Kreditnehmer an sich vorteilhafte Entwertung des geschuldeten Betrages durch die erhöhte Zinsbelastung möglicherweise wieder aufgehoben wird. Eine Möglichkeit, sich gegen dieses Risiko abzusichern besteht nun darin, einen festen Zinssatz für die Tilgungszeit zu wählen beziehungsweise eine Zinsobergrenze im Kreditvertrag zu vereinbaren. Die Entscheidung für einen fixen Zinssatz birgt allerdings die Gefahr, dass das erwartete Szenario, nämlich hohe Inflation mit gleichzeitig steigenden Zinsen nicht eintritt, und somit eine höhere Zinsbelastung auftritt, als dies bei einem flexiblen Zinssatz der Fall wäre.

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