LIBOR und die Kreditzinsen

Die Entwicklung der Bau- und Kreditzinsen in Österreich ist seit der Euro-Einführung stark abhängig von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Während bis zum 1. Jänner 2002 einzig die Österreichische Nationalbank für die Geldpolitik und somit die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen zuständig war, übergab sie diese Kompetenz mit dem Beitritt an die Europäische Zentralbank. Die EZB kann die kurzfristigen Zinsen, zu denen sich die europäischen Banken refinanzieren können, direkt über Offenmarktgeschäfte steuern. Die langfristigen Zinsen werden jedoch an den Kapitalmärkten bestimmt.

Wie hängen LIBOR und die Kreditzinsen voneinander ab und welchen Zusammenhang gibt es hier?

Zu den entscheidenden Zinsindikatoren gehören die LIBOR-Zinssätze (LIBOR = London Interbank Offered Rate). Sie zeigen an, zu welchen Konditionen sich die größten Banken untereinander Geld leihen und werden täglich anhand eines Durchschnittswertes tatsächlicher Transaktionen für unterschiedliche Laufzeiten festgelegt. Da diese Zinssätze für die europäischen Banken die Opportunitätskosten darstellen, orientieren sich die Banken bei der Festlegung ihrer Kreditzinsen an deren Entwicklung. Insbesondere variable Zinssätze werden häufig direkt an einen LIBOR-Zinssatz gekoppelt. Besondere Wichtigkeit hat der 3-Monats-LIBOR, der unter anderem für variabel verzinsliche Unternehmensaleihen zugrunde gelegt wird.
Antizipieren die Banken nun, dass die europäische Geldpolitik eher zu einer restriktiven Politik tendiert und somit die Zinsen erhöhen wird, spiegelt sich dies direkt in den LIBOR-Zinssätzen wider, wobei die Ausschläge je nach Laufzeit unterschiedlich sind. Während Konsumentenkreditzinsen sich tendenziell an den kurz- bis mittelfristigen LIBOR-Zinsen orientieren, sind bei Bauzinsen die langfristigen Zinsen relevant, die zu einem Großteil auch Inflationserwartungen für die Zukunft reflektieren.

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