Schulden erben – muss man das Erbe antreten, wenn einem Schulden hinterlassen werden?

Bei der Abgabe einer unbeschränkten Erbantrittserklärung haftet der Erbe in Österreich für alle Schulden des Erblassers mit seinem gesamten privaten Vermögen in unbeschränkter Höhe. Daher stellt sich für viele die Frage:

Muss man das Erbe antreten, wenn einem Schulden hinterlassen werden?

Dies gilt auch für allfällige Vermächtnisse des Erblassers, die oft erst anlässlich des Verlassenschaftsverfahrens bekannt werden. Das Verfahren bei Abgabe einer unbeschränkten Erbantrittserklärung ist relativ kostengünstig, da eine Schätzung des beweglichen Nachlassvermögens entfällt und kein Inventar errichtet wird. An die Stelle des Inventars tritt die Vermögenserklärung. Liegenschaften werden im Verfahren mit unbeschränkter Erbantrittserklärung mit dem dreifachen Einheitswert angesetzt. Der dreifache Einheitswert liegt meist erheblich unter dem tatsächlichen Verkehrswert. Die Abgabe einer unbedingten Erbantrittserklärung ist nur jenen Erben zu empfehlen, die über die Schulden des Erblassers detailliert Bescheid wissen. Es muss sichergestellt sein, dass keine verdeckten Schulden bestehen, die zu einer unkalkulierbaren Haftung des Erben führen könnten. In Österreich besteht aber auch die Möglichkeit, die Haftung des Erben für die Schulden des Erblassers zu beschränken. Durch die Abgabe einer bedingten Erbantrittserklärung haftet der Erbe zwar mit seinem eigenen Vermögen, die Haftung wird allerdings auf den Wert der Nachlassaktiven und den Anteil der Erbquote beschränkt. Den Wert des Nachlasses ermittelt dabei ein beigezogener Sachverständiger in Zusammenarbeit mit dem Gerichtskommissär (Notar). Die Abgabe einer bedingten Erbantrittserklärung wird für jene Erben zu empfehlen sein, die über die Schulden des Erblassers nicht oder nur bedingt informiert sind.

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