Schuldenschnitt

Mit einem Schuldenschnitt wird eine mehr oder weniger deutliche Reduktion bestehender Schulden bezweckt. Wie es das Wort aussagt, werden die Schulden beschnitten. Eine andere Formulierung für den Schuldenschnitt ist die englische Fassung Haircut, zu Deutsch Kopfrasur.

Für einen Schuldennachlass gibt es unterschiedliche Anlässe und Ansätze. Es kann beispielsweise nach Prioritäten, nach Dringlichkeit, nach Gläubigern und vielen anderen Überlegungen vorgegangen werden. Nicht so beim Schuldenschnitt. Hier wird eine bestimmte Zahl angesetzt, also ein Prozentsatz der Gesamtschulden, und der Überhang wird buchstäblich abgeschnitten. Es wird nicht nach dem Warum und Wieso des Überhanges gefragt, es wird abgeschnitten, gecutted, einfach abrasiert.

Ein solcher Schuldenschnitt hat gravierende Auswirkungen für Gläubiger und Schuldner. Der Gläubiger verzichtet mit dem Schuldenschnitt auf den abgeschnittenen Überhang, um bei dieser Wortwahl zu bleiben. Diese Forderung muss er als nicht realisierbar ausbuchen, was sich in seiner Bilanz wie eine Ausgabe auswirkt.
Der Schuldner hat den Vorteil, seine gesamten Schulden unwiderruflich reduziert zu haben. Er kann die Verbindlichkeiten in seiner Bilanz um den abgeschnittenen Betrag reduzieren, hat also dementsprechend weniger Schulden. Das verbessert die Balance zwischen Aktiva und Passiva in der Bilanz.

Der Schuldenschnitt als solcher ist nichts Neues. Das Besondere an ihm ist, dass er relativ selten und höchst ungern angewendet wird. In der Privatwirtschaft ist der Schuldenschnitt oft der letzte Ausweg vor einer Insolvenz. Die Gläubiger sagen sich: Besser noch etwas bekommen, als bei einer Insolvenz alles ausbuchen zu müssen.

Da es kein internationales Insolvenzrecht für Staaten oder Staatengemeinschaften gibt, ist der Schuldenschnitt die letzte Möglichkeit für Gläubiger und Schuldner.

Er ist quasi die Insolvenz!

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